Gravatare in Blogkommentaren: Pro und Contra

In nahezu jedem (WordPress) Blog werden die Avatare der Kommentierenden angezeigt. Häufig sind diese bei Gravatar gehostet und werden dann automatisiert dem kommentierenden User zugeordnet. Was auf den ersten Blick toll klingt hat aber auch Haken. In diesem Artikel zeige ich dir die Pros und Contras auf.

Links mein Gravatar, rechts das Dummy-Bild

Links mein Gravatar, rechts das Dummy-Bild. Quelle: Gravatar/media-affin

Einleitend möchte ich allen, die Gravatar nicht kennen, kurz erklären, was der Dienst tut. Wer sich bei Gravatar registriert kann dort ein Foto von sich, das Avatar, hochladen. Wenn nun die an diesen Account gekoppelte E-Mail-Adresse in einem Blog beim Absenden eines Kommentars angegeben wird, wird die E-Mail-Adresse an Gravatar zu einem Abgleich gesendet. Ist die Adresse bei Gravatar bekannt, wird das entsprechende Avatar angezeigt. Ist sie nicht bekannt, wird ein Dummy-Bild angezeigt.

Gravatar selbst beschreibt es weniger technisch:

Ihr Gravatar ist ein Bild, das Sie überall begleitet, von Seite zu Seite. Es erscheint neben Ihrem Namen, wenn Sie Kommentare oder Artikel in Blogs schreiben. Avatare identifizieren Ihre Artikel und Inhalte im Internet, warum also nicht auf jeder Website?

Pro Gravatare im Kommentarbereich

Es gibt einige gute Gründe, warum der Einsatz von Gravataren, also den Autorenbildern der Kommentierenden, Sinn macht und euren Blog bereichert.

Gravatare machen den Blog lebendig

Ein Kommentarbereich ohne Bilder kann nackt wirken und den Eindruck einer Textwüste erwecken. Die Avatare die Gravatar ausliefert lassen diesen Bereich „bunter“ erscheinen, Kommentatoren bekommen ein Gesicht und können auch über mehrere Blogs hinweg wiedererkannt werden.

Allerdings kann auch genau das „Bunte“ das Layout eines Blogs beeinträchtigen und somit auch als Contra-Punkt gelistet werden.

Personal Branding

Gravatare sind eine tolle und vor allem sehr einfache Möglichkeit, Personal Branding für dich zu betreiben. Ein Bild in Kombination mit guten Antworten bleibt wesentlich besser im Kopf als nur ein Name. Zudem nutzen viele, mich eingeschlossen, häufig nur den Vornamen beim Kommentieren. „Dominik“ gibt es als Vorname ja doch etwas öfter, während es deutlich weniger Leute gibt, die ein ähnliches Avatar wie ich benutzen. Was du für dich selbst nutzen möchtest, möchten eventuell auch andere gerne nutzen und so bietet es sich an, die Gravatare anzeigen zu lassen.

Aus diesem Grund habe ich hier im Blog die Gravatare seit rund einem Monat um einige Pixel größer eingebunden. Sie bieten mir und den Kommentierenden einen Mehrwert.

Contra Gravatare im Kommentarbereich

Leider gibt es viele und gewichtige Contra-Punkte für den Einsatz von Gravataren.

Ladezeit

Bei einer Bildgröße von nur rund 2KB pro Avatar lässt sich dieser Punkt noch fast vernachlässigen. Aber gerade bei lebhaften Diskussionen kommt schnell eine hohe Anzahl an Gravataren zusammen, die in der Summe dann doch einen Einfluss auf die Ladezeit haben.

Viele http-Requests durch Gravatare erhöhen die Ladezeit

Neben der reinen Dateigröße der Gravatar-Bilder, die Einfluss auf die Ladezeit nehmen, spielt auch die Anzahl der http-Requests eine Rolle. Für jedes übertragene Bild ist ein Request nötig, bei 10 Bildern also 10 Requests, bei 50 Gravataren 50 Requests. Sollte nun der Server von Gravatar nur langsam antworten, wird der Effekt noch weiter verstärkt und die Ladezeit geht in den Keller.

http-Requests durch Gravatar

Gravatar: pro Kommentar ein http-Request

Diese Tatsache ist nicht nur für Besucher deines Blogs ärgerlich sondern auch Google sieht das nicht gerne. Die Ladezeit spielt, wie wir alle wissen, ja auch eine Rolle für das Ranking einer Website.

Rechtliche Aspekte

Was ist eigentlich, wenn ein User ein urheber- und lizenzrechtlich geschütztes Bild als Avatar bei Gravatar nutzt? Richtig, dann bist du als Blogbetreiber dafür verantwortlich. Letztes Jahr hat es auch schon eine Bloggerin getroffen. Ein User hatte ein geschütztes Bild als Avatar genutzt und die Bloggerin bekam eine Abmahnung von Getty Images.

Update 13.07.2013: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es auch datenschutzrechtlich bedenklich sein kann, da Gravatar natürlich auswerten kann, wer wann auf welchen Blogs kommentiert. Wie weiter oben erwähnt, wird die genutzte E-Mail-Adresse zum Abgleich ja jedes Mal an Gravatar übermittelt. Aus Sicht des Datenschutzes ist der Einsatz von Gravataren also auch bedenklich. Allerdings habe ich keine Info dazu, dass Gravatar das tut. Es ist aber definitiv möglich. Details dazu, was möglich ist, stehen in diesem älteren Artikel.

Fazit

Bevor ich zum Fazit komme, möchte ich mich noch bei den Leuten bedanken, die mich auf einige Aspekte in Diskussionen auf Google+ (Posting 1, Posting 2) hingewiesen haben, allen voran Torben Leuschner, Viktor Dite, Sascha Schmidtlein und Monika Thon-Soun.

Vor allem durch die rechtlichen Aspekte und die Tatsache, dass es wirklich schon zu einer Abmahnung wegen einem Gravatar-Avatar kam, werde ich die Konsequenz ziehen und sie hier im Blog deaktivieren. Da ich aber natürlich das „Community-Feeling“ nicht komplett abschaffen möchte, werde ich stattdessen einen Beitragszähler einbauen. Im nächsten Artikel erfährst du dann wie du Gravatare deaktivierst, einen Beitragszähler einbaust und wie sich die Ladezeit des Blogs dadurch verändert. Stay tuned!

Veröffentlicht von

Hi, mein Name ist Dominik und ich berichte hier über meine Erfahrungen und Beobachtungen zu den Themen Onsite-Optimierung, WordPress und Social Media. Seit Anfang 2013 bin ich auch Selbständig tätig und betreue Kunden bei Webprojekten. Wenn du dich mit mir verbinden möchtest, kannst du mir gerne auf Google+ folgen. Aber auch auf Twitter und Facebook bin ich aktiv.

15 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. für mich zählen nur die pro’s. es geht nichts darüber, dass ich das profilbild der person sehe, die kommentiert. das ist superwichtig.

    mit den contras dürfen sich seos und rechtsanwälte befassen…

    • Ich sehe das ganze genau wie Frank. Man aus Marketingsicht gesehen nur Vorteile. Man kann durch das kommentieren auf diversen Blogs schnell eine Brand zu seiner Person oder Unternehmen durch ein aussagekraftiges Bild erlangen.

      Mit dem Rest müssen sich dann die Rechtsabteilungen befassen.

  2. Mir soll BITTE einmal einer, der die rechtlichen Vorschriften auf den Weg gebracht, erklären, wie ich die Gravatare kontrollieren soll.

  3. Wenn ich nicht will, dass ich mit meinem Gravatar „getrackt“ werde, wann ich wo kommentieren, dann melde ich mich dort gar nicht erst an.

  4. Danke, dass du immer den Scheinwerfer auf die kleineren Aspekte des Online-Lebens lenkst ;-)
    Ich nutze Gravatar schon länger und sehe im Grunde nur die Vorteile. Man kann sich personalisieren und individualisieren. Und auf Dauer auch als Marke wahrgenommen werden.
    Freue mich auf den nächsten Brotkrümel von dir ;-)

  5. @Frank
    Da du selbst über SEO auf deinem Blog schreibst landet die Problematik ja vermutlich doch bei dir ;)

    @Frank und Tobias
    „Darum sollen sich die Rechtsabteilungen kümmern“ – wenn es nur so einfach wäre. Leider ist hier in Deutschland ja alles problematisch, was auch nur irgendwie nach „nicht rechtens“ ausschaut. Wenn also tatsächlich eine Abmahnung ins Haus flattert behält man bestimmt nicht einfach die Ruhe und schiebt es weiter zur Rechtsabteilung.
    Und dieses Risiko überwiegt für mich persönlich die Möglichkeit zum branden. So schade es ist, wie gesagt, ich finde die Avatare auch super und nutze Gravatar selbst gerne.

    @Ramona
    Das wird nicht passieren. Es gibt so viele Gesetze, gerade in Bezug auf das #neuland, die schlichtweg komplett realitätsfremd sind.

    @Tom
    Auch wenn du nicht bei Gravatar angemeldet bist, musst du beim Kommentieren deine E-Mailadresse hinterlassen. Die wird beim Absenden dann automatisch an Gravatar übertragen. So wird erkannt, dass die Mailadresse nicht bekannt ist und es wird das Dummy-Bild ausgegeben. Das Tracking ist genauso möglich, ob nun ein Avatar angezeigt wird oder nicht.

    @Nicolas
    Freut mich, wenn dir meine Artikel gefallen. Danke für dein Feedback! :-)

  6. Hi Dominik,

    guter Beitrag! Da ich gerade ein neues WordPress Theme für meine Website code, und dabei besonders viel Wert auf Datenschutz legen will, habe ich mich auch mit der Problematik beschäftigt. Dabei bin ich auf dieses Plugin gestoßen: http://wordpress.org/plugins/avatar-privacy/
    Damit lässt sich beispielweise ein Gravatar-Opt-In in den Kommentarbereich einbauen, sodass Benutzer vor dem Abschicken wählen können, ob für ihren Kommentar eine Anfrage an gravatar.com geschickt werden soll oder nicht.
    Vielleicht wäre das auch etwas für diesen Blog? ;)

    Gruß, Thomas

  7. Pingback: Gravatar Teil 2 – Avatare deaktivieren, Ladezeit optimieren : : media-affin.de

  8. Das Problem mit den Gravataren sehe ich real wirklich nur bei Seiten, die pro Tag hohe 2- oder gar dreistellige Kommentare erhalten.

    Jeder vernünftige Blogger sollte die Kommentare, die auf seinem Blog eingehen, auch lesen. Und zumindest bei mir werden die entsprechenden Gravatar-Bildchen angezeigt.

    Wenn ich da dann irgendeines aus den Medien sehe, oder die Webseite des entsprechenden Kommentators aufsuche und das Bildchen nicht finde, dann sollte ich als Blogbetreiber mir schon die Mühe machen, den betreffenden darauf anzusprechen.

  9. Pingback: Commentcount: Beitragszähler im WordPress-Kommentarbereich : : media-affin.de

  10. @Thomas
    Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist es sehr schön, dass es soetwas gibt. Ändert aber nichts am rechtlichen Aspekt.

    @Marcus
    Machst du das bei allen Kommentatoren? Auch bei denen, die das letzte Mal vor einem Jahr bei dir kommentiert haben? Weißt du, was für „Leichen“ in deinem „Blogkeller“ begraben sind? Die Bilder können ja jederzeit über Gravatar ausgetauscht werden.

  11. Pingback: Das neue thomas-leister.de Blog Theme - Mehr Datenschutz für alle

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